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Scott Genius Test. Wie genial ist das All-Mountain wirklich?

Scott Genius Test. Wie genial ist das All-Mountain wirklich?
von Tom Böhm
Aktualisiert am: 21.1.2023
Fotos: The Cycleverse, Tom Böhm
Das Scott Genius gilt als sehr guter Allrounder, dessen Stärken bergauf und auf schnellen, flowigen Trails zur Geltung kommen. Hat das All Mountain MTB auch Schwächen? Wir haben es ausgiebig getestet und liefern Antworten

Dem Namen nach müsste das Scott Genius ja ein geniales Bike sein. Das All Mountain MTB der amerikanisch-schweizerischen Herstellermarke gibt es in verschiedenen Ausstattungsvarianten: Vom Einstiegsbike für knapp unter 3.000,00 Euro bis hin zur High-End Waffe für über 10.000 Euro bietet die Produktpalette alles, was das Herz begehrt. Wir haben das untere Ende der Fahnenstange, das Genius 950 getestet.

Unter den besten MTBs (Testbericht) sind die All Mountains sehr beliebt und gelten gemeinhin als eierlegende Wollmilchsäue. Sie sind das Bindeglied zwischen den Hardtails, die eher für leichtere Singletrails konzipiert sind und den Offroad-Waffen Enduro bzw. Downhill MTBs (Testbericht), die preislich höher liegen und fahrerisch ein wenig mehr Können voraussetzen.

All Mountains sind solide Einsteiger Bikes, leicht zu fahren, aber dennoch progressiv genug, wenn man schon geübter ist. Das Scott Genius 950 reiht sich perfekt in diese Nische ein. In unserem Test schauen wir, was das Scott Genius kann und für wen es die richtige Wahl ist.

Die Fakten

UVP: ab 2.899,00 Euro
Gewicht: ab 15 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 128 kg
Schaltwerk: Sram NX Eagle 12-fach (11-50 Zähne)
Reifen: 

Maxxis Dissector 29x2,6, Tubeless Ready vorne

Maxxis Rekon 29x2,6, Tubeless Ready hinten

Rahmen: Aluminium SL 6011
Gabel:  Marzocchi Bomber Z2 Rail 3, 3 Modi, 150 mm Federweg
Dämpfer: X-Fusion Nude Trunnion, Scott Custom, 150 mm Federweg
Bremsen: Shimano MT501, 203 mm vorne, 180 mm hinten
Sattelstütze: Syncros Duncan Dropper Post, 31,6 mm, Hub: S – 100 mm, M – 130 mm, L&XL – 150 mm
Größen:

Medium: 54cm, für Körpergrößen von 165 bis 180cm

Large: 57cm für Körpergrößen von 175 bis 195cm

Farben: Grün / Schwarz

Was ist das Besondere am Scott Genius?

Das Scott Genius ist ein Mountainbike mit Historie. Bereits im August 2003 holte sich Thomas Frischknecht mit der ersten Generation des Scott Genius den Mountainbikemarathon Weltmeistertitel. Damals konnte noch niemand glauben, dass man mit einem All Mountain-Fully mit für die Zeit bombastischen 130 mm Federweg ein Marathon-Rennen gewinnen kann.

Damals wie heute verfolgt Scott mit dem Bike eine steile Philosophie: Bergauf wie ein Marathon Fully, bergab wie ein Freerider.

Dabei ist das Besondere am Genius die Hinterradfederung. Der Dämpfer ließ sich damals und tut es bis heute in drei Stufen einstellen: voller Federweg, Traction-Control mit reduziertem Hub sowie angepasster Dämpfung und gesperrter Hub.

Dafür sorgt die von Scott selbst entwickelte TwinLoc-Technologie zur Fahrwerksverstellung. Sie bietet die Möglichkeit, drei komplett unterschiedliche Federwege direkt vom Lenker aus zu wählen. Das macht aus dem Trail Bike einen wahren Verwandlungskünstler, der auf jedem Terrain seine Stärken ausspielen kann.

Das Genius fühlt sich vom ersten Moment absolut vertraut an und macht dabei so gut wie keine Fehler. Wer also ein Wohlfühl-Bike sucht, dass sich vor teureren Bikes absolut nicht zu verstecken braucht, ist mit dem Scott Genius 950 gut bedient und sollte weiterlesen.

Hast du es eilig?

Das Foto zeigt das Scott Genius 950.

Scott Genius 950

Nach wie vor ist die Genius Plattform mit Sicherheit eine der besten auf dem Markt. Die Twin-Loc Technologie zum Blockieren des Fahrwerks macht das Bike zu einen wahren Verwandlungskünstler.

UVP: ab 2.899,00 Euro

Bewertungskriterien. So haben wir getestet.

Das Foto zeigt ein Scott Genius 950 auf einer matschigen Wiese.

Für uns stehen praxisnahe Testberichte an erster Stelle. Wir verzichten deshalb bewusst darauf, inszenierte Test-Umgebungen in Bike-Parks von Profis unter Idealbedingungen durchlaufen zu lassen und machen das, was wir am besten können: Einfach biken. Wir sind das Scott Genius 950 unter verschiedensten Bedingungen gefahren:

Im Alltag, auf dem Weg zur Arbeit, auf unseren Hometrails, im Wald oder auch auf Touren mit der Crew. Das Fahrgefühl und der Spaß mit dem Mountainbike haben dabei mehr Einfluss auf das Testergebnis als abstrakte Technik-Daten.

Darüber hinaus bewerten in unseren Praxistests natürlich auch die Optik, die Komponenten, die Verarbeitungsqualität und die Funktionalität, um so letztendlich das Preis-Leistungs-Verhältnis bewerten zu können.

Warum du uns vertrauen kannst.

Dieser Test ist nicht gesponsert. Wir sind unabhängig und wir testen hauptsächlich Produkte, die wir auch selber in Gebrauch haben. Wenn uns Hersteller Produkte zum Testen zur Verfügung stellen, erhalten diese keine Vorschau auf unsere Testberichte. Außerdem nehmen wir keine Werbegelder von Unternehmen, deren Produkte wir rezensieren. Wie regelmäßige Leser unserer Vergleichsberichte wissen, wenn etwas schlecht ist, sagen wir das auch offen und ehrlich in aller Brutalität.

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Der erste Eindruck.

Das Foto zeigt das Scott Genius 950 in der Seitenansicht auf einem Waldweg.

Auf den ersten Blick wirkt das Scott Genius unaufgeregt und irgendwie auch vertraut, im Sinne von: So muss doch ein Fully aussehen, oder?

Vor uns steht ein MTB mit klassisch schlankem Rahmen, dezente Farben, kein überladener oder extrovertierter Schnickschnack, einfach solide.

Mit seinen 15 Kilo ist das All Mountain kein absolutes Leichtgewicht, für ein MTB mit Alu-Rahmen, aber auch nicht übertrieben schwer.

Bei seinem 65 Grad flachen Lenkwinkel und dem langen Reach verfügt es durchaus über eine moderne Rahmengeometrie. Die sorgt für eine kompakte und eher aufrechte Sitzposition. Kurz: ein gelungener Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit.

Die Komponenten pflegen sich nahtlos in dieses Bild ein: unaufgeregt, bekannt, solide, klassisch gut. Einziger Ausreißer ist das Bedienelement an der linken Seite des 780 mm breiten Aluminium Lenkers. Hier sollte doch die Sattelstütze bedient werden, oder?

Nicht bei Scott. Besser gesagt nicht nur. Hier sitzt der Hebel für die eigens von Scott entwickelte TwinLoc-Technologie, mit dem man neben der Sattelstütze auch die Einstellungen für das Fahrwerk in drei Stufen vornehmen kann: Offen, geschlossen und eine Einstellung dazwischen für guten Vortrieb in leichtem Gelände. Mehr dazu gleich

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Die Komponenten.

Die Komponenten sind neben der Rahmengeometrie maßgeblich ausschlaggebend für das Handling und die Charakteristik des Bikes. Darüber hinaus beeinflussen sie auch am meisten den Preis eines Mountainbikes.

Wie bereits erwähnt, bietet Scott das Genius in einer Preisspanne von unter 3.000,00 bis weit über 10.000,00 Euro an. Das von uns getestete Scott Genius 950 bildet die Basis der Modellreihe, folglich müssten doch auch eigentlich Komponenten von eher minderwertiger Qualität verbaut sein oder? Ja und Nein.

Scott setzt beim Genius 950 auf gute Komponenten aus dem unteren bzw. mittleren Preissegment, findet dabei jedoch eine Kombination, die ein absolut stimmiges Gesamtergebnis darstellt, das für ein Bike in diesem Preissegment sehr gute Fahreigenschaften bietet.

Das Foto zeigt das Sram NX Eagle 12-fach Schaltwerk.

So kommt das Scott Genius 950 mit den hydraulischen Scheibenbremsen MT501 von Shimano und einer Schaltgruppe aus dem Hause SRAM. Die Sram NX Eagle 12-fach (11-50 Zähne) bietet jede Menge Performance. Was die SRAM auszeichnet, ist ihre Übersetzung, die in jedem Gelände einen passenden Gang zur Verfügung stellt, komplett ohne Umwerfer. Wie bei den SRAM Eagle-Antrieben GX Eagle (Testbericht) und SX Eagle (Testbericht) überzeugt uns auch die NX durch ihr geräuscharmes und sehr präzises Schaltverhalten.

Das Foto zeigt die Marzocchi Z2 Air Rail 3 Gabel und die Shimano Bremscheiben des Scott Genius 950.

Die Gabel stammt aus dem Haus Marzocchi. Den Italienern ist mit der Bomber Z2 eine simple und dennoch solide Federgabel gelungen, die auf dem Trail unaufgeregt ihre Arbeit macht.

Mit 150 mm Hub bietet sie genügend Federweg für den Durchschnittsmountainbiker und schluckt auch auf schnelleren Abfahrten größere Hindernisse ohne Probleme.

Das Foto zeigt den X-Fusion Nude Dämpfer Trunnion.

Kombiniert mit dem X-Fusion Nude Dämpfer Trunnion im Scott Custom mit ebenfalls 150 mm Hub hat man ein solides Fahrwerk, das zusätzlich noch maßgeblich durch die Scott TwinLoc-Technologie aufgewertet wird.

Das Foto zeigt den TwinLoc-Hebel des Scott Genius.
Mit dem TwinLoc-Hebel steuert man die Gabel und den Dämpfer gleichzeitig.

Bei der TwinLoc-Technologie handelt es sich um ein Dämpfereinstellungssystem, bei dem Gabel und Dämpfer nicht nur wie gewohnt total gesperrt werden können, sondern noch eine weitere Einstellungsstufe verfügbar ist, die easy vom Verstellhebel am Lenker aus auf Gabel wie auch Dämpfer ausgeführt werden kann.

Damit macht aus einem Bike 3 Fahrmaschinen: Total gesperrtes Fahrwerk für satte Anstiege auf befestigtem Untergrund, halb offen für Geländefahrten mit dennoch ordentlich Kurbelarbeit, ohne dass das Fahrwerk wegsackt sowie total offen für das Runterbügeln auf den Trails.

Abgerundet wird das stimmige Komponenten-Paket noch durch die Sattelstütze Duncan Dropper Post von Syncros, bei unserem Testbike (Rahmengröße L) immerhin mit satten 150 mm Hub.

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Der Praxistest.

Das Foto zeigt das Scott Genius am Fuße eines Hügels.

Die ersten Meter auf dem Scott Genius 950 vermitteln ein eher ernüchterndes Bild. Auf der leicht steigenden Schotterpiste sackt der Hinterbau weg, ein deutliches Wippen ist nicht wegzureden.

Also erst mal mit dem TwinLoc vertraut machen: erste Stufe rein, Fahrwerk komplett offen. Heißt in dieser Situation bergauf so gut wie unfahrbar.

Dann also direkt mit dem Hebel am Lenker in die zweite Position. Die Druckstufendämpfung erhöht sich und das Fahrwerk wird somit straffer, ohne dabei aber schon ganz gesperrt zu sein. Sofort hat man ein komplett anderes Fahrgefühl, das Heck hört mit der nervösen Wipperei auf und selbst beim intensiven Pushen wirkt das Genius schön ausgewogen.

Bringt man den TwinLoc-Hebel in dritte Stufe, ist das Fahrwerk komplett gesperrt und das Bike lässt sich ideal über harte Untergründe fahren.

Bergab wird das Genius zur absoluten Maschine: Ist das Fahrwerk mittels TwinLoc wieder ganz offen, hat man das Gefühl, dass kein Hindernis der Federung mit ihren 150 mm Federweg etwas anhaben kann. Das Bike schluckt fast alles weg, was sich einen in den Weg stellen möchte.

Der Schwerpunkt ist schön zentral, in den Kurven bleibt das Genius ausgewogen und unaufgeregt. Alles in allem merkt man, dass das All Mountain mit der über die Jahre nur marginal veränderten Geometrie erprobt ist, weshalb man auf mittelschweren Trails keine bösen Überraschungen erlebt.

Knifflig wird es aber in steilen engen Abfahrten. Hier zeigen sich die zwei größten Mankos des Scott Genius:

Das Foto zeigt die vordere Maxxis Dissector Bereifung.

Zum einen sind die Reifen, Maxxis Dissector vorne und Maxxis Rekon hinten, jeweils mit einer Breite von 2,6 Zoll etwas zu breit und für unseren Geschmack auch deutlich zu weich. Das macht das Handling schwammig, unpräzise und schwer einschätzbar.

Zum anderen sind die Bremsen schwer bedienbar. Größentechnisch sind sie ausreichend dimensioniert und haben auch genug Schmackes, aufgrund des Zweifinger-Hebels möchten sie aber auch richtig bedient werden. Um die volle Bremskraft zu entfalten, muss man hier richtig hart zupacken.

Schade, denn beides, sowohl Reifen als auch Bremshebel könnten in der Standardkonfiguration ohne preislichen Mehraufwand von Scott verändert werden und würden so das Genius 950 noch einmal deutlich verbessern.

Gut also für den Zubehörmarkt: Am besten gleich direkt mit dem Bike hier 29 Zoll MTB-Reifen und Bremshebel mitbestellen, es zahlt sich aus.

Insgesamt zeichnet sich das Genius durch sein gutmütiges und fehlerverzeindes Handling aus.

Unser Fazit.

Das Genius 950 ist der VW Golf unter den Mountainbikes: Solide, gut und jeden Cent wert, wenn auch keine großen Emotionen dabei aufkommen.

Man merkt, dass Scott das Bike nicht erst seit gestern baut, alles funktioniert, wie es soll und egal ob Anfänger oder fortgeschrittener Fahrer, jeder fühlt sich gleichermaßen wohl mit dem Genius.

Bei den Komponenten hat Scott zwar nicht die allerbesten Produkte verbaut, hier bietet die Konkurrenz im gleichen Preissegment teilweise höherwertigere Parts, dafür sind sie aber perfekt abgestimmt und funktionieren im Gesamtpaket richtig gut.

Abzüge geben wir hauptsächlich für die Reifen und die Bremshebel, die einfach zu viel Kraftaufwand benötigen. Da in die Entwicklung des Rahmens sowie der Geometrie in den letzten Jahren nicht mehr allzu viel investiert wurde, wäre es wünschenswert, die übrigen Komponenten etwas aufzuwerten, um zukünftig nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Pro Contra
Bergauf sehr effizient. Reifen aus dem Original Set-Up sind verbesserungswürdig.
TwinLoc-Technologie funktioniert perfekt und macht aus dem Genius eine 3-in-1 Fahrmaschine. Zwei-Finger Bremshebel erfordern viel Kraftaufwand.
Gutmütiges und fehlerverzeindes Handling.  
Sehr gut abgestimmt.  
Preis-Leistungs-Verhältnis.  

Auf der Bewertungsskala sind 8 von 10 möglichen Punkten aktiviert.
Unsere Bewertung: 8 von 10 Punkte.

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Wer schreibt hier?

Das Foto zeigt den Autor Tom Böhm.

Tom Böhm, aus Köflach / Österreich.

Ich war immer schon begeistert auf zwei Rädern unterwegs. Waren es früher noch hauptsächlich Enduro-Motorräder, so habe ich seit ein paar Jahren auch die Liebe zu Mountainbikes entdeckt. Egal ob mit oder ohne Elektrounterstützung, es gibt nichts schöneres als nach einem harten Arbeitstag oder einer anstrengenden Woche einfach loszufahren, nur die Natur und ich. Ich liebe es dabei, ständig neue Routen zu erkunden – querfeldein durch den Wald oder über die schönen Almen Österreichs.

„Geht nicht, gibt’s nicht“ beschreibt dabei meine Routenwahl oft am besten – ganz zum Bedauern meiner Frau, die mich meistens dabei begleitet.