Was ist der Q-Faktor? Und welche Rolle spielt er wirklich für dich beim Radfahren?

Was ist der Q-Faktor? Und welche Rolle spielt er wirklich für dich beim Radfahren?
von Christoph
Aktualisiert am: 2.11.2021
Fotos: Unsplash, The Cycleverse, Christoph
Hier erklären wir dir, was der Q-Faktor ist und wie (oder ob) er deine Leistung beim Fahrradfahren beeinflussen kann.

Inhalt

Was ist der Q-Faktor an deinem Fahrrad?

Das Foto zeigt ein von oben fotografiertes Rennrad. Kurbeln und Pedale sind deutlich zu erkennen. Der Q-Faktor ist deutlich erkennbar eingezeichnet.

Bevor wir starten, sollten wir definieren, was mit dem „Q-Faktor“ gemeint ist. Wie du oben siehst, ist der Q-Faktor der Abstand zwischen der Außenseite des einen und des anderen Kurbelarms, seitlich durch die Mittellinie des Tretlagers gemessen. Genauer: Der Q-Faktor ist ein Maß für die Standbreite, die der Schrittbreite beim Gehen ähnelt.

Der Q-Faktor Bereich liegt zwischen 135 mm bei einem aerodynamischen Road Bike und bis 235 mm bei einem Fat Bike.

Grant Petersen, Fahrradbuchautor und Erfinder des Begriffs Q-Faktor sagt in seinem Buch „Just Ride: A Radically Practical Guide to Riding Your Bike“:

”Q-Faktor ist ein Begriff, den ich 1990 erfunden habe, um den Abstand zwischen der Außenseite des Pedallochs der linken Kurbel und der Außenseite des Pedallochs der rechten Kurbel zu beschreiben. Kurbelhersteller sprechen über den Q-Faktor, aber nur wenige wissen, dass das Q für „Quaken” steht. Enten watscheln mit weit auseinander stehenden Füßen im Verhältnis zu ihrer Beinlänge und haben daher hohe Q-Faktoren."

Q-Faktor VS. Standbreite. Was bedeuten die Begriffe?

Auf der Grafik ist eine Kurbelgarnitur inklusive der Pedale in der Vogelansicht erkennbar. Der Q-Faktor ist in orange und die Standbreite ist in grün eingezeichnet.

Obwohl der Q-Faktor zu einem allgemein anerkannten Maß geworden ist, bevorzugen einige Fachleute, einen Wert für die „Standbreite“ zu verwenden, da sich dieser eher auf den Abstand zwischen den Füßen auf den Pedalen bezieht. Beide Begriffe sind Teil desselben Konzepts in Bezug auf die Breite der Kurbelgarnitur und bezeichnen den seitlichen Abstand zwischen den Füßen beim Treten.

Wenn man darüber nachdenkt, macht es mehr Sinn den Begriff „Standbreite“ zu verwenden. Denn es ist wichtig zu wissen, dass deine tatsächliche Standbreite das Maß für den Abstand zwischen deinen Füßen ist.

Wichtig: Wenn du auf den Pedalen stehst kann sich der Abstand deiner Füße zueinander verändern, ohne dass sich der Q-Faktor ändert. 

Wie wirkt sich der Q-Faktor auf das Radfahren aus?

Das Foto zeigt das breite Tretlager eines Fat Bikes.

Jeder, der schon mal ein Fatbike gefahren ist, hat ein Gefühl für die Bedeutung des Q-Faktors. Denn um die Kette an den dicken Reifen vorbei zu bekommen, muss die Kassette weiter nach außen geschoben werden. Das Tretlager muss daher sehr breit sein. Und das Tretlager ist bei den meisten Fat Bikes sehr groß. Wenn man also auf ein Fatbike steigt, fühlt man sich, als würde man versuchen, die Seiten eines Pferdes zu treten. Fühlt sich ziemlich strange an.

Wenn man auf der Suche nach Geschwindigkeit den Q-Faktor zu eng wählt, kann das problematisch werden. Als Lance Armstrong versuchte, Jan Ullrichs Walser Model 5 Time Trial Bike mit einem ultra-schmalen Rad zu kopieren, waren die Ergebnisse nicht nur positiv.

Das brachte zwar anfangs etwas mehr Leistung und war schnell, aber bei einem durchschnittlichen Zeitfahren zwischen 28 und 40 Kilometern fiel die Geschwindigkeit schnell und dramatisch ab.

Anfangs war es also schneller, aber es gab keinen nachhaltigen Nutzen. Ein schmaler Q-Faktor bietet nicht unbedingt jedem Fahrer einen dauerhaften Leistungsvorteil. Zu Beginn mag es etwas bringen, weil man denkt, dass man aerodynamischer fährt, aber es funktioniert nicht für jeden.

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Grenzen in der Produktion.

Der Q-Faktor muss nicht nur die Biomechanik berücksichtigen, sondern es gibt auch Einschränkungen aufgrund der Tretlagergröße, der Kettenstrebenlänge und der Mindestkettenlinie, die von Herstellern wie Shimano, SRAM und Campagnolo vorgegeben werden.

Genauer: Der Q-Faktor wird von den Kurbelarmen bestimmt und ist im Allgemeinen durch die Tretlagerbreite und die Reifenfreiheit begrenzt. Aus diesem Grund unterscheidet sich der Q-Faktor eher zwischen verschiedenen Fahrraddisziplinen als zwischen Fahrern mit unterschiedlichen Größen.

Die Hersteller sind darauf beschränkt, wie kurz die Kettenstreben sein können und wie weit sie mit den Ritzeln nach hinten gehen können, während sie gleichzeitig ein traditionelles 68-mm-Tretlager beibehalten.

Der Q-Faktor ist eine feste Position im Raum. Aber letztendlich sind es die Pedale, die Länge der Pedalachse, die Wahl der Schuhplatten und die Art und Weise, wie man sie an den Schuhen befestigt, was die Gesamtbreite des Standes beeinflusst.

Einige Fahrradhersteller wie BMC sind bei der Kurbelproduktion auf andere Hersteller angewiesen und sind somit deren Produktionsstandardisierung ausgeliefert, wenn es darum geht einen bestimmten Wert für den Q-Faktor zu erreichen.

Q-Faktor & Fahrradarten (135 - 235 mm) in der Übersicht:
Rennrad / Radreise / Touring / Gravel: 135 - 157 mm
Cyclocross: 154 - 157 mm
MTB - Downhill: 183 - 194 mm
MTB - Cross Country: 155 - 178 mm
Fat Bike: 200 - 235 mm
Professionelles Bahnrad: weniger als 130 mm

Wiederum andere Unternehmen, wie Cannondale oder Specialized, stellen ihre eigenen Kurbeln her und können ihren Q-Faktor nach Belieben ändern. Dennoch bewegen sich die Fahrräder dieser beiden Unternehmen im Rahmen der Industrienorm. Ganz grob gesagt, liegt der Q-Faktor bei 150 mm für ein Rennrad und 170 mm für ein Mountainbike. Viele Fatbikes haben einen Q-Faktor von 200 mm oder mehr. Dadurch sind Beine und Füße viel weiter voneinander entfernt.

Weil Radfahren in einer statischen Position erfolgt, sind sich Hersteller, Fahrer und Fahrradmonteure einig, dass der schmalere Standard für den Einsatz auf der Straße sehr sinnvoll ist. Man kann immer breiter werden, sei es durch eine längere Pedalachse oder durch das Verschieben der Schuhplatten, aber man kann nicht schmaler werden.

Gibt es einen Leistungsvorteil durch den Q-Faktor?

Ähnlich wie bei einem Bike Fitting gibt es keine zentimetergenauen Richtlinien, die auf deiner Größe und deinem Gewicht basieren. Jeder Fahrer hat andere biologische Proportionen, andere Vorlieben und eine andere Verletzungshistorie, die sich auf die Passform seines Fahrrads auswirken können. 

Deshalb gibt es knallharte Fakten und individuelle Richtlinien, die dir deine persönliche Passform vorgeben. Es ist jedoch nicht der Q-Faktor, den wir anpassen müssen, sondern die Standbreite. Wie oben schon beschrieben, beeinflusst sie, wie breit unsere Füße und Hüften auf den Pedalen stehen.

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Das Wichtigste ist es eine Standbreite zu finden, die einerseits bequem ist und andererseits für mehr Leistung sorgen kann. Wenn du dich auf deinem Bike einige Stunden im Sattel wohlfühlst und keine ernsthaften Beschwerden hast, gibt es aus biomechanischer Sicht keinen Grund, deine Standbreite oder deinen Q-Faktor zu ändern. 

Wie bereits erwähnt, gibt es Industriestandards für den Q-Faktor, mit denen die meisten Menschen völlig zufrieden sind. Viele Fahrer benötigen kleine Anpassungen, um die perfekte Passform zu erreichen, aber das kann oft mit einer leichten Veränderung der Pedale oder Schuhplatten erreicht werden, anstatt Komponenten zu ändern, um den Q-Faktor zu verändern. 

Die Aussage „schmal ist aerodynamisch“ ist nicht immer richtig und kann sogar zu Verletzungen führen, wenn du unvorsichtig bist. Eine Verringerung des Q-Faktors oder ein engerer Abstand zwischen den Kurbelarmen kann zwar die Aerodynamik verbessern, macht dich aber nicht zwangsläufig schneller. 

Sie kannst eine beträchtliche Menge an Kraft verlieren oder deine Gesäßmuskulatur in einer solch engen Position nicht mehr aktivieren. Wenn du es zu weit treibst, kannst du muskuläre Dysbalancen verursachen, die zu chronischen Verletzungen führen. 

Deine Pedal- oder Schuhplattenpositionen kannst du auch mehrmals einzeln ändern (links und rechts), während du den Q-Faktor nur einmal anpassen kannst. Diese beidseitige Anpassung ist besonders hilfreich für Personen mit einer besonderen Physiologie oder einer Verletzungshistorie, die dazu geführt hat, dass ein Bein in Bezug auf Länge oder Stärke deutlich anders ist als das andere.

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Wie der Q-Faktor deine Tretbewegung beeinflusst.

Das Foto zeigt die Kurbelbewegung eines Rennradfahrers.

Im Radsport wird viel darüber diskutiert, inwieweit der Q-Faktor die Tretbewegung verändert oder beeinflusst. Viele argumentieren, dass Pedale, Schuhplatten und die Länge der Pedalachse zusammen einen größeren Einfluss auf die Tretbewegung haben als der Q-Faktor allein. Wenn du dann noch die Halterungen an deinen Schuhen anpasst, kann das einen völlig anderen Tretstil bewirken, ohne dass sich dein Q-Faktor jemals ändert. 

Auch dein Sattel kann deine Tretbewegung erheblich beeinflussen. Dein Hüftwinkel, deine Rotation und deine Breite können sich mit einem neuen Sattel ändern und haben einen großen Einfluss auf deinen Tretstil und deine ideale Standbreite. 

Das Ausmaß, in dem der Q-Faktor deine Tretbewegung beeinflusst, ist noch unbekannt, aber wir können mit Sicherheit sagen, dass es viele andere Änderungen gibt, die du an deiner Passform und Standbreite vornehmen kannst, die einen größeren Einfluss auf deine Tretbewegung haben als der Q-Faktor allein.

Q-Faktor. Unser Fazit.

In vielen Fällen ist es sowohl mühsam als auch kompliziert, den Q-Faktor zu ändern. Ob es sich um ein neues Tretlager, eine neue Kurbelgarnitur oder ein ganz neues Fahrrad handelt, der Preis ist immer hoch. Wenn du also deinen Pedalhub oder deine Standbreite ändern möchtest, kannst du das durch einen Wechsel der Pedale, der Schuhplattenposition oder der Pedalachsenlänge erreichen. 

Es gibt kaum wissenschaftliche Belege für schmalere Q-Faktoren - eine Studie aus dem Jahr 2013 mit 24 Probanden ergab eine signifikante Steigerung des mechanischen Brutto-Wirkungsgrads und eine Leistungssteigerung von 1,5 bis 2 Prozent bei einem Q-Faktor von 90 mm im Vergleich zu 150 mm - aber solche Studien sind rar gesät. 

Es handelt sich um eine Theorie, die, wenn sie in der realen Welt angewandt wird, viel mehr Schaden als Nutzen anrichten kann. Solange die Studien noch nicht vorliegen, gibt es kaum Beweise dafür, dass der Q-Faktor einen wesentlichen Einfluss auf die Tretleistung und den Wirkungsgrad hat. 

Bevor du deinen Q-Faktor änderst, solltest du zuerst versuchen, deine Schuhplatten, Pedale, die Pedalachse oder die Ausrichtung der Schuhplatten zu optimieren. Mit diesen Faktoren lassen sich extrem viele Einstellungen vornehmen, die jeweils in wenigen Minuten vorgenommen werden können.

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