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Auswirkungen von Rahmengeometrie-Daten auf das Fahrverhalten eines Fahrrads.

Auswirkungen von Rahmengeometrie-Daten auf das Fahrverhalten eines Fahrrads.
von The Cycleverse
18.8.2020
The Cycleverse
Bei der Geometrie eines Fahrradrahmens geht es immer darum, Kompromisse auszugleichen. Jede Änderung, die einen Aspekt des Fahrverhaltens eines Fahrrads verbessert, verändert einen anderen. Es geht immer um Fahreigenschaften und Fahrstabilität und die große Frage „Welche Fahrradrahmen Geometrie passt zu mir?“

Letztendlich hängt die perfekte Geometrie für dich davon ab, wofür du das Fahrrad nutzen möchtest, ebenso von deinen Körperproportionen und deinen persönlichen Vorlieben. Für das Handling eines Fahrrads gibt es drei wesentliche Charakteristika: Fahrerposition, Lenkung und Kurvenverhalten. Dieser Artikel zeigt dir, wie sich Unterschiede in der Geometrie auf das Fahrverhalten deines Bikes auswirken.


Inhalte:

+ Fahrerposition

+ Lenkverhalten

+ Kurveneigenschaften

+ Fazit. Welche Rahmengeometrie passt zu dir?



Fahrerposition

Am stärksten beeinflusst von: Stack-to-Reach

Grafik eines fahrradrahmens in dem die Messungen von Stack-to-Reach Werten eingezeichnet sind

Deine Position auf dem Fahrrad wird in erster Linie durch die Stack-to-Reach Werte bestimmt. Der Stack-to-Reach Wert (STR) orientiert sich an den zwei unveränderlichen Größen an deinem Fahrrad: Steuerkopf und Tretlager. Daraus ergibt sich, wie du im Fahrradrahmen sitzt. Ein höherer Stack Wert und eine kürzere Reichweite sorgen für eine komfortable, aufrechte Sitzposition. Ein kürzerer Stack Wert und eine größere Reichweite bringen dich in eine niedrigere, aggressivere Position.


Die „komfortable“ Rahmengeometrie hat den Vorteil, dass du auf längeren Strecken entspannter sitzt. Die aufrechte Position öffnet deinen Brustkorb und lässt dich auf langen Anstiegen besser atmen. Komfortable Geometrien sorgen auch dafür, dass sich dein Schwerpunkt weiter hinten auf dem Fahrrad befindet. Das hat zur Folge, dass das Hinterrad auf rutschigem Gelände oder bei steilen Anstiegen mehr Traktion hat.


Aggressivere“ Geometrien verringern etwas den Komfort, sorgen aber für eine verbesserte Effizienz. Ein niedrigerer Stack bringt dich nach unten, in eine aerodynamischere Position. Eine höhere Reichweite verlagert dein Körpergewicht weiter nach vorne und hilft dir dabei, deine Beinkraft effizienter auf die Pedale zu übertragen.


Wie du anhand der Grafik oben siehst, bilden die Stack-to-Reach Werte als gedachte Linien immer einen rechten Winkel über dem Oberrohr. Dividiert man Stack durch Reach, ergibt dieser Quotient den Stack-to-Reach Wert, beispielsweise 1,5. Bei einem STR-Wert unter 1,45 ist die Sitzposition sportlich aggressiv. Ein STR-Wert über 1,55 sorgt für eine weniger getreckte, also eine komfortablere Sitzposition.


Drop Bars (typische Rennradlenker) sorgen für mehr Flexibilität bei der Sitzposition. Wenn du deine Hände nahe am Vorbau auf den Lenker legst, sitzt du entspannter. Positionierst du sie weiter weg vom Vorbau, an den Brems- und Schalthebeln, dann verlagert sich dein Gewicht nach vorne in eine gemäßigte Sitzposition. Greifst du den Lenker unten, sitzt du niedrig und aerodynamisch in einer aggressiven Position.


Stack to Reach-Verhältnisse nach Fahrradkategorien.

Abbildung zeigt eine Tabelle in der die unterschiedlichen Rahmengeometrien verglichen werden


Achtung: Cruiser und Lastenräder scheinen eine aggressive Rahmengeometrie zu haben, aber der typische Stangenstil dieser Fahrräder verändert die Fahrerposition deutlich in Richtung Komfort.


Welcher Fahrradtyp passt zu deinen Vorlieben? Mach hier den Test.

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Lenkung

Am stärksten beeinflusst von: Steuerrohrwinkel, Nachlauf

Grafik zeigt einen Fahrradrahmen in welchen Steuerrohwinkel und Nachlaufwerte eingezeichnet sind.


Die Mechanik des Lenkverhaltens eines Fahrrads ist kompliziert. Hier konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die Lenkgeschwindigkeit. Genauer: Wie reagiert das Fahrrad auf den Lenkeingriff – entweder durch Drehen der Lenker oder durch Gewichtsverlagerung?


Das Lenkverhalten wird in erster Linie durch den Steuerrohrwinkel und den Nachlauf des Fahrrads bestimmt. Im Allgemeinen reagieren Fahrräder mit flachem Steuerrohrwinkeln und hohem Nachlauf langsamer auf Lenkbefehle. Bei Fahrrädern mit steilem Steuerrohrwinkel und niedrigem Nachlauf reagiert die Lenkung schnell.


Fahrräder mit langsamer Lenkung erfordern mehr Kraftaufwand beim Wenden, fühlen sich aber stabiler an und können die Spur bei hohen Geschwindigkeiten besser halten. Eine langsame Lenkung eignet sich bestens für Geländefahrräder, bei denen ein stabileres Fahrverhalten dabei hilft, die Kontrolle in schwierigem Gelände zu behalten. Fahrräder mit langsamer Lenkung neigen dazu, gut auf das Lenken durch Gewichtsverlagerung zu reagieren.


Fahrräder mit schneller Lenkung reagieren selbst bei leichten Lenkerbewegungen sofort, tendieren aber dazu, bei höheren Geschwindigkeiten zu schlingern. Die schnelle Lenkung passt gut zu Rennrädern, bei denen es darauf ankommt, Schlaglöchern und ähnlichen Hindernissen schnell auszuweichen oder um sich durch eine „nervöse“ Gruppe anderer Fahrer zu manövrieren.


Der Nachlauf wird aus mehreren Werten der Rahmengeometrie abgeleitet. Ein niedriger Wert findet sich normalerweise bei Fahrrädern mit steilen Steuerrohrwinkeln und umgekehrt, aber die Rahmenkonstrukteure können die Spur eines Fahrrads unabhängig vom Steuerrohrwinkel ändern, indem sie die Gabelvorbiegung anpassen.


In diesem Artikel findest du mehr Details zum Nachlauf.

Moderne Rahmengeometrie


Kurvenverhalten

Am stärksten beeinflusst von: Radstand, Nachlauf, Innenlagerabsenkung (BB-Drop)

Zeichnung eines Fahrradrahmens in dem Radstand, Nachlauf und Innenlagerhöhe eingezeichnet sind


Die Kurveneigenschaften eines Fahrrads werden überwiegend durch den Radstand und den Nachlauf bestimmt. Ein langer Radstand und ein hoher Nachlaufwert sorgen für stabiles Kurvenverhalten. Ein kurzer Radstand und ein niedriger Nachlaufwert machen dich in Kurven agiler. Das Kurvenfahrverhalten eines Fahrrads ist abhängig vom Lenkverhalten. Bedeutet, Fahrräder mit stabilen Kurvenverhalten haben in der Regel eine langsame Lenkung und Fahrräder mit agilem Kurvenfahrverhalten reagieren schneller auf Lenkerbewegungen.


Fahrräder mit stabilem Kurvenverhalten neigen sich mit dir und verhalten sich gutmütiger in geschwungenen Kurven. Das sorgt für mehr Stabilität und bessere Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten in schwierigem Gelände. Bei niedrigen Geschwindigkeiten und an Steigungen kann sich das Fahrrad allerdings etwas unruhig anfühlen.


Fahrräder mit agilem Kurvenverhalten bleiben auch bei niedrigen Geschwindigkeiten wendig und manövrierfähig. Mit diesen kannst du auch enge Kurven souverän fahren. Bei höheren Geschwindigkeiten ist es allerdings anstrengender, einer sauberen Linie durch Kurven zu folgen.


Die Innenlagerabsenkung spielt bei den Kurveneigenschaften eines Fahrrads ebenfalls eine Rolle, denn sie bestimmt die Höhe deines Schwerpunktes auf dem Fahrrad. Der BB-Drop wird anhand der Anforderungen an die Bodenfreiheit des Bikes gewählt, die Kurveneigenschaften sind dann aber ein Nebeneffekt dieser Entscheidung.



Fazit. Welche Rahmengeometrie passt zu dir?

Trotz vielfältiger Optionen und Kompromisse bei der Fahrradgeometrie ist der wichtigste Aspekt bei der Wahl der passenden Rahmengeometrie, ein Fahrrad zu finden, das zu dir passt.


Deine Körperproportionen können die Leistungsmerkmale eines Fahrrads dramatisch verändern. Wenn Sie ein unerfahrener Fahrer sind, kann es schwierig sein, die Passform eines Fahrrads auf der Grundlage einer 5-minütigen Fahrt auf einem Parkplatz zu beurteilen. Verwende unseren Größenrechner, der erspart dir viele Enttäuschungen.

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Wenn du ein Fahrrad gefunden hast, dass gut zu dir passt, sorgt eine Feinabstimmung von Sattelposition, Sattelstütze, Vorbau, Lenker und Pedalen für das perfekte Fahrgefühl.


Stack-to-Reach Werte sind eine gute Möglichkeit, die Passform eines Fahrrads schnell zu beurteilen. Wenn du ein passendes Bike gefunden hast, merke dir deine Stack-to-Reach Werte und nutze diese als Ausgangspunkt für deinen nächsten Kauf.

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