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Fahrradinspektion – Die 11 Punkte DIY-Anleitung.

Fahrradinspektion – Die 11 Punkte DIY-Anleitung.
von Clara Hoffleitner
2.8.2020
Foto: Pixabay
Viele Fahrradreparaturen kann man auch ohne handwerkliches Geschick selber machen. Wir zeigen dir anhand unserer 11 Tipps wie du eine Fahrradinspektion auch zu Hause durchführen kannst und erklären dir, wann du zum Fachhändler gehen solltest.

Dein Fahrrad muss regelmäßig auf Verschleißschäden kontrolliert werden, das ist klar. Damit dies strukturiert abläuft, haben wir dir eine Checkliste mit Anleitungen zusammengestellt, mit der du deinen Fahrrad-Check selber durchführen kannst.

 


Wann solltest du eine Fahrradinspektion durchführen?

Nach dem Kauf eines neuen Fahrrads wird die erste Inspektion nach den ersten 300 km fällig. Spätestens aber nach drei bis sechs Monaten. Danach gilt: mindestens einmal jährlich sollte das Rad gewartet werden. In deinem eigenen Interesse, schliesslich geht um deine Sicherheit und natürlich um den Fahrspaß.

 

Bei der jährlichen Kontrolle bietet sich das Frühjahr an, dann kannst du mit einem frisch kontrollierten Fahrrad in die neue Saison starten. Wenn du ganzjährig fährst, bist du mit zwei kleinen Inspektionen pro Jahr gut beraten.

 


Bevor es losgeht. Was benötigst du?

Welches Werkzeug du für deine Fahrradinspektion zur Hand haben solltest, hängt natürlich davon ab, was du alles prüfen möchtest. Hier die Basics:

 

Das brauchst du für die Reinigung:

+ alte Putzlappen und einen Schwamm

+ eine (Zahn)Bürste

+ einen Eimer mit Wasser und etwas Spülmittel

 

Das brauchst du zum Fetten und Schmieren:

+ Multifunktionsöl

+ Kettenöl

+ Montagefett

+ Universalöl ohne Silikon

+ Lappen und Pinsel

Hier findest du eine große Auswahl hochwertiger und günstiger Pflegemittel.

Diese Werkzeuge brauchst du:

+ Flickzeug und mindestens 2 Reifenheber

+ Luftpumpe mit Manometer zum Prüfen des Luftdrucks

+ Kreuz- und Schlitzschraubendreher

+ Maulschlüssel und Inbusschlüssel in diversen Größen

 


1. Die Sichtkontrolle um Verschleißteile zu prüfen.

Zu Beginn solltest du dein Fahrrad reinigen. Mit Wasser und ein wenig Spülmittel, säuberst du den Rahmen, die Felgen und die Gabel.

 

Suche danach das gesamte Rad gründlich nach Rissen und Verformungen ab. Checke auch den Lenker und die Sattelstütze. Dir verdächtige Stellen solltest du im Fachhandel überprüfen lassen.

 


2. Die Schraubverbindungen checken.

Sitzen alle Schrauben fest? Ziehe alle Schrauben nach – aber nicht zu stark. Die Kraft einer Hand reicht dazu in der Regel aus.

 


3. Den Reifendruck prüfen.

Kontrolliere bei deinem Fahrradcheck zuerst das Profil der Reifenmäntel auf Dornen, Scherben, Glassplitter und kleine Steine. Die Ventile checkst du auf Dichtheit.

 

Gut zu wissen: Je höher der Reifendruck ist, desto geringer ist der Rollwiderstand. Wenn du den Schlauch nicht ganz so prall füllst, hast du etwas mehr Grip und rollst komfortabler. Aber vorsicht, Reifen mit zu wenig Luftdruck fahren sich schwerer und gehen schneller kaputt. Den Mindest- und Maximalluftdruck für deinen Reifen findest du auf der Reifenflanke.

 

Ist der Reifen platt? Dann pumpst du ihn auf und beobachtest über einige Tage, ob die Luft hält. Wenn sie entweicht, ist ein kleines Loch im Schlauch. Kontrolliere beim Flicken den Reifen auf eingedrungene Fremdkörper und entferne diese.


Bei Trekking-, Holland-, Urban oder Citybike solltest du den Reifen nur ganz leicht eindrücken können.

 

Als Faustregel für den Reifendruck gilt:

+ Trekking-, Holland-, Urban oder Citybikes 3,5 bis 6 Bar

+ Mountainbikes 2 bis 4 Bar

+ Rennräder 7 bis 9 Bar.

 

Am einfachsten pumpst du dein Velo mit einer Standpumpe mit Druckmesser auf.

Hier findest du eine große Auswahl an unterschiedlichsten Pumpen und Flickzeug.

 

Unsere drei Lieblings Fahrradpumpen:

 

 

4. Fahrradreifen und Laufräder checken.

Deine Fahrradmäntel sollten zumindest noch ein bisschen Profil haben um auf rutschigen Untergrundverhältnissen oder nassen Straßen über ausreichend Haftung zu verfügen. Wenn du am Reifen Schnitte oder lose Fäden siehst, musst du den Fahrradreifen wechseln.

 

Warum musst du auch die Speichen prüfen?

Eine ungleichmäßige Speichenspannung oder gerissene Speichen ziehen auf Dauer weitere Schäden nach sich, das kann teuer werden. Du kannst ganz einfach überprüfen, ob eine Speiche gerissen oder locker ist, indem du die benachbarte Speichen mit Daumen und Zeigefinger zusammendrückst. Wenn sich die Speichen nur minimal bewegen lassen, ist alles OK.

 

So überprüfst du die Felgen.

Haben sie einen Schlag? Halte einen Schraubenzieher so, dass die Spitze etwa zwei Millimeter Abstand zur Felge hat und drehe am Rad. Sind deutliche Ausschläge zur Seite zu sehen oder schleift die Felge am Bremsklotz, solltest du das Laufrad zentrieren.


Haben die Naben Spiel? 
Versuche, das Laufrad quer zur Laufrichtung hin- und her zu bewegen. Spürst du dabei ein Rucken, hat das Lager Spiel und muss eingestellt werden.

 


5. Die Bremsen einstellen.

Die Fahrradbremsen solltest du auf alle Fälle gründlichst prüfen. Wenn die Bremsen versagen, können böse Stürze und schwere Verletzungen die Folge sein.

 

Die Bremsklötze müssen getauscht werden, wenn die Querrillen nicht mehr deutlich zu erkennen sind oder sich eine Kante gebildet hat, sprich wenn sie weniger als 2 mm tief sind.

 

Die Bremszüge sollten an den Enden Kappen haben und nicht ausgefranst sein. Überprüfe auch die Außenhüllen. Wenn sie beschädigt oder geknickt sind, weg damit und durch neue ersetzen.

 

Scheibenbremsen greifen fester als Felgenbremsen, sind aber nicht frei von Verschleiß. Am Bremssattel findest du zwei Metallringe. Der innere, kleinere direkt an der Scheibe ist der Bremsklotz. Wenn der abgenutzt ist (weniger als 1 mm), muss er ausgetauscht werden. 

 

Sonst presst beim Bremsen die Bremszange aus Metall auf die Scheibe – die Bremse verliert nicht nur ihre Wirkung, sondern läuft auch noch heiß und kann Schaden nehmen. 

 

Für alle Bremssysteme gilt:

Die Bremsarme lassen sich idealerweise leicht bewegen und die Innenzüge laufen ebenso leicht in der Hülle. Tun sie nicht? Einfach die Seilzüge ölen und die Bremssockel fetten.

 


Bei hydraulischen Bremsen sollte bei maximaler Handkraft noch mindestens ein Finger zwischen Bremshebel und Griff passen – sonst muss die Bremse entlüftet werden.

Hier findest du Entlüftungskits. 

Günstiges Bremszubehör gibt es hier.

 

 

6. Die Fahrradkette warten.

Wenn es schön laut quietscht und ordentlich rattert, hilft ein wenig Öl. Aber, zuerst die Kette von der alten Schmiere und vom Flugrost befreien. Säubere die Kette zuerst mit einem feuchten Tuch von grobem Schmutz.

 

Dazu lässt du die Kette einige Runden durch das Tuch laufen. Achte darauf, dass sie danach komplett trocken ist, sonst kann sie das frische Fett nicht aufnehmen.

 

Ist sie trocken, trägst du das neue Kettenöl auf. Schmiere die Kette mit Kettenöl oder Kettenfließfett von innen an den Laschen. Drehe dann die Kurbel, damit sich das Öl verteilt, den Überschuss wischst du ab.

 

Sollte deine Kette allerdings über den Winter eine schöne braune Farbe erhalten haben, hat ihr der Rost zu stark zugesetzt. In diesem Fall empfiehlt es sich, sie austauschen und in Zukunft besser zu pflegen.

 

Wie? Ganz einfach, sorge dafür dass sie trocken bleibt. Nach jeder Regenfahrt, kurz trocken wischen und alle paar Wochen mit einem Kettenöl einreiben und pflegen. Dann hält das Teil auch ein paar Jahre.

 


7. Fahrradbeleuchtung kontrollieren.

Funktionieren Scheinwerfer und Rücklicht? Normalerweise sind Fahrradlichter robust und selten von Defekten betroffen. Kontrolliere trotzdem, ob die Stecker des Lichtkabels an den Leuchten und am Dynamo festsitzen? Sind die vorgeschrieben Reflektoren vorn, hinten, an den Pedalen und in den Speichen vorhanden und sauber? Dann war es das auch schon mit dem Licht.

 

Sollte das Licht komplett hinüber sein, empfehlen wir dir diese drei Sets.

 


8. Schraubverbindungen überprüfen.

Sind alle Schrauben und Schnellspanner am Rad fest angezogen? Gelöste Schrauben können schlimme Unfälle verursachen. Darum solltest du alle Schraubverbindungen prüfen.

 

Hierfür ist ein Multitool mit Drehmomentschlüssel hilfreich – denn für alle Schrauben gilt: Nach fest kommt ab!

 

Unsere Favoriten:

 


9. Das Cockpit checken.

Besonderes Augenmerk solltest du auf Lenker, Vorbau und Steuersatz legen. Hat der Lenker Spiel, reicht es nicht, die senkrechte Schraube festzuziehen, die durch das Steuerrohr läuft. 

 

Am sichersten ist es den Lenker kurz abzumontieren und ihn gesondert zu überprüfen. Meistens bricht ein Lenker direkt an der Nahtstelle zwischen Lenker und Vorbau. Das kannst du aber nur prüfen, wenn du den Fahrradlenker demontiert hast.

 

Ein lockerer Steuersatz stört das Fahrverhalten und geht schnell kaputt. Stell dich neben das Rad, ziehe die Vorderradbremse und bewege dein Bike vor und zurück. Gleichzeitig nimmst du die untere Lagerschale zwischen Daumen und Zeigefinger. Spürst du jetzt ein Rucken? Dann muss der Steuersatz nachjustiert werden.

 

 

10. Die Schaltung warten.

Wie schon bei den Bremsen, gilt auch hier: Seilzüge und Außenhüllen sollten ohne Knicke oder Beschädigungen sein.

 

Deine Schalthebel oder Drehgriffe müssen sich leicht betätigen lassen, ansonsten benötigen sie etwas dünnflüssiges Öl. Das bringt nichts? Dann solltest du sie austauschen.

 

Wenn die Kette nicht sauber über die Ritzel läuft oder sich einzelne Gänge hakelig anfühlen, kann sich die Kabelspannung verringert haben. Bei einer Kettenschaltung kannst du einfach mit der Schraube am Schalthebel (da wo der Seilzug rauskommt) die Spannung anpassen. Das bringt nichts? Dann ist Verschleiß die Ursache und du musst die Komponenten erneuern.

 

Bei Nabenschaltungen wird es kompliziert, denn hier gibt es je nach Modell verschiedene Mechanismen, um die Kabelspannung einzustellen. Sieh am besten in die Gebrauchsanweisung oder frag deinen Monteuer des Vertrauens.

 


11. Den Sattel checken.

Als Letztes kümmerst du dich bei deiner Fahrradinspektion um den Sattel. Hier gilt es, den Sattel und die Befestigung, vor allem die Einstecktiefe zu prüfen. Hat sich die Neigung des Sattels verändert, sitzt er fest oder lässt er sich drehen? Die Sattelstütze sitzt auch stabil? Es lohnt sich, diese aus dem Rohr zu ziehen und bei Bedarf zu fetten.

 

 

Geschafft. Und jetzt?

Natürlich eine Probefahrt in Form einer schönen Fahrradtour. Wir wünschen dir viel Spaß mit deinem Fahrrad in Top Zustand.

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