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Das Geheimnis des Erfolges? Interview mit Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy.

Das Geheimnis des Erfolges? Interview mit Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy.
von Cyclique
18.6.2020
Maximilan Levy, AOK Nordost
Maximilian Levy, 32, ist einer der erfolgreichsten deutschen Bahnradsprinter und dominiert den Sport seit mehr als einem Jahrzent. Er ist vierfacher Welt- und fünffacher Europameister. Bei den Olympischen Spielen, holte er einmal Silber und zweimal Bronze. Wir haben uns mit ihm über sein Training, die Mecklenburger Seen Runde und sein Engagement als AOK-Sportbotschafter unterhalten.

Moin Max, schön dich vor dem Mikrofon zu haben.

Moin.



Radsport ist eine harte Sportart und du bist seit fast 14 Jahren ganz vorne mit dabei, länger als die meisten anderen Sportler im Profibereich. Was ist dein Geheimrezept?

(lacht) Gesund bleiben. Und natürlich hart trainieren. Von nichts kommt nichts, das ist glaube ich jedem ein Begriff. Fleiß bringt am Ende auch immer ein Ergebnis.



Wie oft bist du täglich auf der Bahn? Zweimal?

Das kann man so pauschal nicht sagen, es gibt verschiedene Trainingsphasen in denen ich zweimal täglich auf der Bahn bin, es gibt aber auch Grundlagenphasen in denen ich dann einmal lange trainiere.


Das Training ist ein guter Mix mit sieben bis acht Einheiten die Woche. Mix bedeutet auch, dass de immer anders ist um Reize zu setzen. Das ist das spannende daran Radsportler zu sein, weil man eine gewisse Symbiose erzeugen muss aus Kraft und aus Technik mit dem Fahrrad. Hinzu kommt dann noch Kraft im Kraftraum, sowie die fahrerische Grundlage die man sich mit dem Straßenrad erarbeiten muss.



Du bist in Berlin geboren und hast dort deine Karriere gestartet. Wie bist Du zum Radsport gekommen?

Ich komme aus dem Prenzlauer Berg und da wurde mir so oft das Fahrrad geklaut, dass meine Eltern gesagt haben, wenn du weiter Fahrradfahren willst, musst du in einen Verein gehen, denn da bekommst du ein Fahrrad gestellt.


Das Besondere im Verein war, dass die guten Fahrer die Räder mit nach Hause nehmen durften, das war dann natürlich ein erster materieller Anreiz diesen Sport weiter auszuüben.



… hat das hat dann Feuer gegeben um besser zu werden?

Ja, genau. Das war schon ein Ansporn für mich.



Als Sportbotschafter der AOK Nordost engagierst du dich unter anderem für den Nachwuchs und hast natürlich auch eine Vorbildfunktion. Welche Ratschläge hast Du für junge Menschen die mit dem Radsport beginnen möchten?

Das wichtigste für junge Menschen ist in allererster Linie einmal dass sie Spaß an der Sache haben. Denn sie werden unweigerlich und relativ schnell merken, dass Radsport wirklich harte Arbeit ist. Wer sich dessen bewusst ist und das auch annimmt, hat gute Karten dass er in dieser Sportart dann auch erfolgreich wird.


Erfolgreich bedeutet nicht, dass jeder Weltmeister werden muss, sondern dass man eine sportliche Grundausbildung bekommt, die es einem vereinfacht Hürden zu nehmen und dabei hilft insgesamt gestärkt durchs Leben zu gehen. Denn beim Radsport lernt man was Fleiß und Disziplin sind.


Ein Sturz auf der Bahn bei 78 km/h. Verletzungen gehören dazu.


Bahn-Radsport und Radsport kann mitunter sehr gefährlich sein. Deine Ehefrau war auch Radsportlerin, da liegt es nahe, dass eure Kinder eine ähnliche Begabung haben. Was wäre, wenn eines deiner Kinder mit dem Wunsch Profi zu werden zu dir käme? Fördern? Oder sagst du Oh ne, lieber nicht?

Na ja, ich würde es jetzt nicht unbedingt empfehlen, aber wenn die Kinder das machen möchten würde ich sie schon unterstützen. Unabhängig von dem was meine Kinder machen möchten, bekommen sie natürlich immer meine Unterstützung und bei meiner größten könnte das auch tatsächlich bald passieren (lacht). Ich werde das nich verhindern, möchte es aber auch nicht forcieren. Sagen wir es mal so.



Gibt es eigentlich Wünsche oder Pläne was du nach deiner Karriere machen möchtest?

Ja, es gibt Wünsche, Pläne und Ideen. Die sind aber noch nicht wirklich spruchreif, so dass ich die jetzt hier springen lassen würde.



Ist es für einen Bahnrad-Fahrer wie dich relevant Kilometer auf der Straße zu schrubben? Und wenn ja, wie oft bist du mit dem Rad auf der Straße unterwegs?

Ha, das ist eine geile Frage. Denn genau darüber streiten sich gerade die Geister. Ich denke dass es für einen Bahnsprinter sehr wichtig ist Kilometer zu sammeln. Mein Eindruck ist der, dass der junge Sprinter von heute möglichst wenig auf dem Fahrrad sitzen will.


Mir ist es sehr wichtig, dass ich entsprechende Grundlagen auf dem Fahrrad sammel. Das sind dann Ausfahrten bis zu 5 Stunden. In der Spitze können das schon 130 bis 150 Kilometer sein, in der Regel fahre ich aber zwischen 80 und 100 Kilometern pro Einheit. Meistens dann um das intensive Kraft- und Bahntraining abzupuffern.



Du bist letztes Jahr die Mecklenburger Seen Runde 19 geafhren und hast eine der AOK Gruppen über die Strecke geführt. Waren das deine ersten 300 Kilometer am Stück?

Ja.



Echt? Tatsächlich? Hast du dich darauf dann nochmal speziell vorbereitet oder kurbelst du die 300 Kilometer einfach weg?

Manchmal fahre ich in meinen Grundlageneinheiten auch 180 oder 200 Kilometer. Das ist als Training völlig ausreichend um an einem Tag die MSR 300 zu fahren. Das war für mich kein Hexenwerk (lacht).


Maximilian Levy und Detlef Koepke (Mecklenburger Seen Runde).


(Jetzt muss ich lachen) Ja, aber du fährst die im 30er Schnitt.

Ja, an dem Tag auf jeden Fall (lacht). In einer 10 Mann Gruppe sowieso. Wobei wir die nicht krawallig gefahren sind.



Bei der Mecklenburger Seen Runde fahren auch viele unerfahrene RadlerInnen und wollen die 300 Kilometer rocken. Hast du drei Top Tipps für Newcomer, die so eine Langdistanz wie die Mecklenburger Seen Runde 2021 zum ersten Mal fahren möchten?

Ja klar, Tipp Nummer 1 ist auf jeden Fall sich vorher ein paar mal in den Sattel zu setzen, denn spätestens nach drei bis vier Stunden wird der Hintern sonst sehr weh tun. Das nächste was wirklich wichtig ist, ist an dem Tag genug zu trinken. Bloß keine Angst vor Pinkelpausen haben, auch wenn die ein bisschen Zeit kosten, lieber zu viel als zu wenig trinken. Und ansonsten kann ich nur sagen: Spaß haben. Das ist kein Rennen, sondern ein Miteinander und es geht darum dieses Event gemeinsam zu erleben und die 300 durchzustehen.



Was sind die mentalen Aspekte die bei der langen Distanz zählen?

Na, Durchhaltevermögen. Das ist eine ganz klare Sache. Man wird schon 12, 13 Stunden unterwegs sein, das muss man natürlich auch wollen.



Ja, wenn man wie du schnell unterwegs ist, wird man das in der Zeit schaffen.

Ich habe es in 10 Stunden geschafft, plus Pausen vielleicht in zehneinhalb. Spannenderweise habe ich in meinem Umkreis einige Leute die sagten, ach ja, die MSR, habe ich auch schonmal gemacht, beim ersten mal habe ich zwölfeinhalb Stunden gebraucht, … Also das geht schon, dass man da gut durch kommt.



Ja, wir merken auch, dass es die Leute nach dem ersten Mal packt und sie sich von MSR zu MSR verbessern wollen. Viele Teilnehmer haben dann den Anspruch beim nächsten mal schneller zu werden und jedes Jahr aufs neue die „beste MSR aller Zeiten“ fahren wollen. 

Als Profi stehst du das ganze Jahr unter Strom. Wie schaltest du am besten oder am liebsten ab? Das machst du doch sicher nicht auf dem Rad, oder doch?

Ja und nein. Natürlich mache ich auch mal gerne was anderes als Radfahren, ganz klar. Ich habe drei Kinder zu Hause, von daher ist das mit dem Abschalten sowie so schonmal relativ zu betrachten (lacht). Ne, im Ernst. Zeit mit den Kindern ist für mich natürlich auch Entspannung, das ist positiver Streß.


Ansonsten kann ich auch, wenn ich drei, vier Stunden einfach vor mich hin fahre, super runterkommen. Als Sprinter bist du durch die schweren Kraft- und Bahneinheiten immer schwer am Anschlag und musst konstant 100 Prozent geben, da sind dann diese drei, vierstündigen Straßeneinheiten genau das richtige um nicht nur die Muskeln, sondern auch den Kopf zu entspannen.



3 Gründe warum Menschen mehr Radfahren sollten?

Frische Luft tut gut.

Bewegung ist gut für die Gesundheit.

Und Radfahren macht Spaß. 



Als Sportbotschafter der AOK Nordost setzt du dich ja auch aktiv für die Gesundheitsaspekte des Sports ein und animierst Menschen dazu aktiver zu werden und mehr Rad zu fahren.

Ja, klar, am Ende muss es ja das Ziel sein, dass die Menschen gesund bleiben. Fahrradfahren ist im Vergleich zu anderen Sportarten natürlich eine Tätigkeit die relativ wenig Verletzungsrisiko mit sich bringt, solange man nicht hinfällt. Radfahren ist körperlich lange nicht so belastend wie Laufen zu gehen oder Tennis zu spielen, weil es beispielsweise gelenkeschonender ist.



Und zu guter Letzt, mit welcher berühmten Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – würdest du gerne mal ne Runde drehen?

Gute Frage, da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Ich glaube Jan Frodeno ist eine gute Wahl. Den finde ich ganz gut.


Vielen Dank Max für das tolle und offene Gespräch.


Und zum Schluß haben wir noch eine Buchempfehlung für euch:

Der Sportfotograf Petko Beier begleitete Max bei den 106. Berliner Tagen – im Hotel, in der Unkleide, beim Essen, beim Trainig, auf der Bahn, mit den Fans, mit Sponsoren, mit der Presse.

Das Buch zeigt seine Geschichte um das Berliner Sechstagerennen 2017 – von Leid bis Freude. Ihr seht Max nach dem Sturz, auf der Bahn und im Velodrom, … auch dort wo ihr nicht hin dürft. Kaufen, es lohnt sich.

Bestellen könnt ihr das Buch hier.

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